11.06.2026

Wortbeitrag der Freien Szene im Rahmen der Kundgebung – »Wir sind das Stuttgart-Sign!«

© Matthias Baus

Im Rahmen der Kundgebung »Wir sind das Stuttgart-Sign!« am 06.06.2026 auf dem Stuttgarter Marktplatz, welches vom Stuttgarter Bündnis aus Kultur, Bildung und Soziales veranstaltet wurde, haben eine Vielzahl von Menschen gezeigt, dass Kultur, Bildung und Soziales kein verzichtbarer Luxus, sondern das Fundament einer lebendigen Stadtgesellschaft sind.

Im Doppelhaushalt 26/27 der Landeshauptstadt Stuttgart wurden umfangreiche Kürzungen im Bereich Kultur, Bildung und Soziales beschlossen, die weitreichende Folgen haben. Ein Ende der Sparmaßnahmen scheint nicht in Sicht zu sein.

Im Rahmen der Kundgebung sprach Jule Lotte Bröcker, freischaffende Puppenspielerin und physical comedian, zusammen mit ihrem Kollegen Martin Mutschler, künstlerische Leitung JOIN Staatsoper Stuttgart, für die Stuttgarter Kultur. 

Ihren Wortbeitrag möchten wir an dieser Stelle mit euch teilen:

Wortbeitrag der Freien Tanz- und Theaterszene von  Stuttgart im Rahmen der Kundgebung – »Wir sind das Stuttgart-Sign!«

von Jule Lotte Bröcker
Lektorat: Paula Scheschonka

Tach ihr alle! (…)
À propos alle:
Demokratie – Das müssen ja alle machen können.
Dafür arbeiten wir: Bildung, Soziales, Kultur.
Wir sind die Arbeitsgruppen der Demokratie. 

Ich mache Theater, Theater ist live und lässt eine Gemeinschaft von
fremden Menschen kurzzeitig eine neue Perspektive ausprobieren.
Find ich super.
Genau das macht auch die freie Szene, sie füllt die ganze Stadt mit Kultur.
Freie Szene heißt frei entscheiden.
Freie Szene heißt oft: viel arbeiten, ohne Proberaum, mit wenig Geld,
also irgendwann und irgendwo und irgendwie
relevante und interessante und inklusive und weiß der Kuckuck was – Projekte aus dem Boden stampfen. 
Hier in Stuttgart hieß freie Szene dieses Jahr:
kein Festival,
immer noch keine Spielstätte,
noch mal 316000€ weniger für Veranstaltungen und und und 

Es gibt ja auch noch andere Arten von Kultur
(so circa 200 oder 2 Millionen, aber ich habe nicht viel Zeit) 

KULTUR IST
Gemeinschaftspicknick am Max-Eyth-See.
Große Fragen in Klang übersetzen
Opi von nebenan ins Theater einladen
Geschichten erzählen
Unbekannte in der Ubahn zum Lachen bringen. 

Unterschiedliche Kultur muss sichtbar sein dürfen
durch Angebote für die ganze demokratische Stadtgesellschaft. 

Besonders die, die nicht oder noch nicht wählen dürfen,
brauchen für die ­Zukunft vor allem Gemeinschaft.
Und zwar eine wahrhaftige, die vor und neben mir steht,
und vor allem vielfältig ist. 

Und jetzt werde ich wütend:
Wir, Frau Regierungspräsidentin Bay, wir sind keine sogenannten “freiwilligen Leistungen”, die Sie “rigoros streichen”  können!
Was Sie müssen, ist sich mit den Kindern und Jugendlichen, den 15% der Stadt zu beschäftigen, die hier später noch leben!
Sie sagen, Geld zu sparen sei “intergenerative Gerechtigkeit”.
Was bringt es, Geld zu haben, wenn keine Gemeinschaft da ist, die damit eine lebenswerte Stadt schaffen kann?
Weil ihnen Demokratie, weil Ihnen Bildung, Soziales und Kultur verwehrt wurde?

Die demokratische Politik hat einen demokratischen Auftrag:
Uns alle dabei zu unterstützen gemeinsam aus dieser Stadt eine gute Stadt für alle zu machen. Mit Sozialem, Bildung und Kultur!
Dankeschön.­